Verpackungsexperten im Interview

24.06.2009

Dennis Kilb, Schmalz-Branchenmanager Verpackung, und Mattias Müller, Schmalz-Produktmanager Vakuum-Komponenten, im Interview (von Rechts nach Links)

Luftdicht, porös, glatt, rau, eben oder strukturiert – in der Verpackungsindustrie müssen äußerst heterogene Werkstücke gehandhabt werden. Für die Produktentwicklung heißt das, einen universell einsetzbaren Sauggreifer zu entwickeln, mit dem ein möglichst breites Spektrum an Werkstücken abzudecken. Standardisierung spart Aufwand und Kosten für den Anwender!
Zwei Verpackungsexperten - Dennis Kilb, Schmalz-Branchenmanager Verpackung, und Mattias Müller, Schmalz-Produktmanager Vakuum-Komponenten, geben Auskunft.


Verpackungen sind wohl die vielschichtigsten Produkte, die gehandhabt werden müssen. Worin sehen Sie die Schlüsselanforderungen, die es umzusetzen gilt?

D. Kilb:
Die Verpackungsindustrie ist geprägt von maximaler Automatisierung, kürzesten Zykluszeiten und hohen Anforderungen an die Maschinenverfügbarkeit…

Dies gilt jedoch nicht nur ausschließlich für die Verpackungsindustrie?

D. Kilb:
Korrekt. Die Verpackungsindustrie hebt sich aber insbesondere dadurch von anderen Branchen ab, dass ein enorm breites Spektrum an Produkten gehandhabt werden soll. Dies betrifft zum einen das verpackte Produkt, welches fest, pulverförmig, flüssig oder gasförmig sein kann, wie auch das Verpackungsmaterial bzw. die Verpackungsart selbst. Stellen Sie sich einen Supermarkt vor. Sie finden hier sowohl eigenstabile Verpackungen wie Dosen, Becher, Flaschen oder Kartonagen wie auch labile Packformen, zum Beispiel Beutel oder eingeschweißte Produkte.

Sonderanfertigungen und kundenspezifische Verpackungsmaschinen sind hier sicherlich keine Seltenheit?

D. Kilb:
Der Verpackungsmaschinenbau ist in vielen Bereichen Sondermaschinenbau, um den Anforderungen der Endkunden gerecht werden zu können. Die Anforderungen der Verpackungsmaschinenhersteller, also unserer Kunden, sind daher nicht weniger vielschichtig.

Wie werden Sie dem von Ihnen genannten breiten Anforderungsspektrum gerecht?

D. Kilb:
Indem wir für die unterschiedlichen Verpackungsbereiche die passenden Produkte bieten, um so
notwendige Testläufe zu reduzieren und die Auswahl der optimalen Vakuum-Komponenten zu erleichtern.

Dies wäre zum Beispiel?

D. Kilb:
Der Bereich Kartonagen. Fast jedes Produkt landet früher oder später in einem Karton. Sei es primär oder sekundär darin verpackt. Wechselnde Qualität der Packmittel sowie Oberflächenstruktur sind nur zwei materialspezifische Kriterien. Insbesondere hinsichtlich Form der Kartonagen sind keine Grenzen gesetzt.

Welchen Einfluss hat dies konkret auf Vakuum-Komponenten?

D. Kilb:
Bei genauerer Betrachtung gilt es luftdichte sowie poröse, glatte sowie raue, ebene sowie strukturierte Werkstücke sicher zu greifen. Einfach gesagt bestand bei unserer neuesten Produktentwicklung die Kernaufgabe darin, mit einem einzigen Sauggreifer ein möglichst breites Werkstückspektrum abzudecken. Standardisierung spart Aufwand und Kosten.

Sie sprechen von der auf der Hannover Messe präsentierten Saugerbaureihe für die Verpackungsindustrie?

D. Kilb:
Mit dieser Baureihe bieten wir unseren Kunden ein Standardprodukt mit höchster Priorität hinsichtlich Abdichtverhalten und Flexibilität realisiert durch eine weiche anpassungsfähige Dichtlippe.

Steht dies nicht im Konflikt mit verschleißintensiven Verpackungsprozessen und hoch dynamischen Maschinen?

M. Müller:
Genau diese Herausforderung war der zentrale Aspekt für Produktmanagement und Entwicklung.
Diese Herforderung verlangt Innovationen in allen Bereichen einschließlich Geometrie und Saugermaterial. Daher kam für uns nur ein vollständig neuartiges Formkonzept sowie ein neuartiger Saugerwerkstoff in Frage.

Und dies funktioniert?

M. Müller:
Nur mit Hilfe einer eigenen Materialentwicklung, qualifizierten Konstrukteuren im Elastomerbereich, Testlabor und enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden.

Sie scheinen dem Saugerwerkstoff eine große Bedeutung beizumessen?

M. Müller:
Das neue Material Elastodur verbindet eine hohe Anpassungsfähigkeit und Flexibilität mit enormer Widerstandsfähigkeit. Quasi ein Naturkautschuksauger aus Vulkollan.
Dies liefert uns ein Material mit hoher Standzeit hinsichtlich Abrieb wie auch Materialermüdung in dynamischen Prozessen. In Verbindung mit einer dünnen Dichtlippe können wir ein herausragendes Abdichtverhalten realisieren.

Die Kombination ist entscheidend?

M. Müller:
Genau! Das Dichtelement dünn und flexibel, der Grundkörper des Saugers zusätzlich verstärkt. Dies und die formschlüssige Verzahnung zwischen Dichtlippe und Grundkörper erzeugt gerade im angesaugten Zustand eine sehr hohe Stabilität des Saugers. Positionsgenaues Greifen selbst unter hohen Querbelastungen in Kartonaufrichtern ist genauso gewährleistet wie sicheres Greifen in End-of-Line Palettierabläufen. Dank der breit aufgestellten Baureihe bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit die optimale Saugerform und Größe auszuwählen …

Sind also verschiedene Formen verfügbar?

M. Müller:
Die Sauggreifer in Elastodur sind in runder Ausführung als Flachsauger und Balgsauger mit 1,5 Falten sowie in ovaler Ausführung mit 1,5 Falten erhältlich.

Warum sollte sich ein Verpackungsmaschinenhersteller also für die neuen Verpackungssauger aus Elastodur und für Schmalz als Systempartner entscheiden?

D. Kilb:
Weil er mit diesem Sauggreifer ein Produkt erhält, das ein sehr breites Spektrum an Werkstücken abdeckt. Zeit- und kostenaufwändige Tests werden daher auf ein Minimum reduziert. Außerdem sind die dynamische Belastbarkeit und die hohe Standzeit sowohl für den Verpackungsmaschinehersteller als auch für den Nutzer der Verpackungsanlage gleichermaßen von Vorteil. Schmalz bietet aber für den Verpackungsbereich nicht nur verschiedene Sauggreifer. Die aufeinander abgestimmte Kombination der Vakuum-Komponenten von Sauggreifer über Vakuum-Erzeugung und Verteilung bis hin zur Systemüberwachung bietet unseren Kunden entscheidende Wettbewerbsvorteile hinsichtlich Prozesssicherheit, Maschinenverfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus ist Schmalz nicht ausschließlich Hersteller von Vakuum-Komponenten, sondern bietet mit manuell geführten Vakuum-Handhabungsgeräten sowie der Konzeption, Entwicklung und Realisierung kompletter anschlussfertiger Greifsysteme für den Automatisierungsbereich für jede Handhabungsaufgabe die optimale Lösung.

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J. Schmalz GmbH
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