100 Jahre Firmengeschichte
Besonders die kontinuierliche Veränderung der Märkte war ein Element, welches das Unternehmen allzeit begleitete. Die Endlichkeit von Produktlebenszyklen und die praktische Bedeutung eines Technologiewandels forderten Schmalz immer wieder aufs Neue heraus.
Die Gründung der Johannes Schmalz Rasierklingenfabrik
Johannes Schmalz, am 24. Oktober 1878 in Aistaig geboren, bringt es in der Schramberger Uhrfedernfabrik bis zum Mechanikermeister. Motiviert durch eine Prämie des Fabrikdirektors konstruiert er eine Maschine zur Herstellung von hochwertigen Rasierklingen. Doch die Belohnung bleibt aus und Johannes Schmalz zieht die Konsequenzen. Er kauft der Witwe des Kunstwollfabrikanten Wilhelm Bäßler in Glatten eine Ölmühle und Wollreißerei ab, die mit einem Wasserradantrieb ausgestattet ist. Hier gründet er im November 1910 die Johannes Schmalz Rasierklingenfabrik, in der künftig Rasierklingen hergestellt und vertrieben werden.
Ein selbst entwickelter und hergestellter Schleif- und Polierautomat und Neuanschaffungen, wie eine automatische Klingeneinwickelmaschine für bis zu 70 Rasierklingen pro Minute, verdeutlichen das Wachstum des Unternehmens. Kurze Zeit später gelingt es Johannes Schmalz erstmalig eine große Menge an Rasierklingen nach China und Afrika zu exportieren.
In Anlehnung an den Standort Glatten wird 1938 schließlich die Rasierklingenmarke Glattis geboren. Schmalz lässt den Begriff als Wortzeichen eintragen. Mit bis zu 600.000 verkauften Rasierklingen pro Monat ist der Unternehmer jahrzehntelang äußerst erfolgreich.
Ära der Transport- und Flughafenvorfeldgeräte
Ingenieur Artur Schmalz, Sohn des Gründers, übernimmt das Ruder des Unternehmens, als der Elektrorasier seinen Siegeszug antritt. Artur Schmalz stellt fest, dass die in der Landwirtschaft immer öfter genutzten Traktoren entsprechende Anhänger benötigten. Der daraufhin entwickelte Schmalz-Kipper mit dem von Artur Schmalz patentierten Stützrad stellt das ideale landwirtschaftliche Fahrzeug dar. Schmalz entwickelt und produziert eine Vielzahl an weiteren Transportwagen, wie Postwagen, Servierwagen oder Gepäckwagen für Bahnhöfe.
Ein weiteres Kapitel eröffnet sich für den begeisterten Segelflieger Artur Schmalz in Form von Transportgeräten für Flughäfen. Sein Produktprogramm reicht von Flughafengepäckwagen über Cockpittreppen als Einstieghilfe für Piloten bis hin zu fahrbaren Tankstellen zur Betankung von Vorfeldschleppern. „Diese Produkte verkauften wir rund 14 Jahre, bis die Flughäfen auf Transportbänder und fahrbare Fluggasttreppen umstellten. Stuttgart erhielt insgesamt fast 100 Fahrzeuge von uns. Des Weiteren wurden Frankfurt, Köln, Bremen und Paris beliefert“, so Artur Schmalz in einem übermittelten Zitat.
In den frühen 1960er Jahren entwickelt sich mit den Lacktrockenwagen ein neuer, wichtiger Schwerpunkt der Produktion. Diese Wagen sorgen für den rationellen Trocknungsprozess von Möbelteilen und ermöglichen die Lagerung zwischen einzelnen Produktionsschritten. Anfang der 1970er Jahre verkauft Schmalz zirka 1.000 Lacktrockenwagen pro Jahr und beliefert neben Afrika und Nordamerika auch Länder in Osteuropa.
Neuausrichtung zur Vakuum-Technologie
1984 übernimmt Dr. Kurt Schmalz die Geschäftsführung, welche sechs Jahre später durch seinen Bruder Wolfgang Schmalz komplettiert wird.
Schon während der Schulzeit und des Studiums arbeitet Dr. Kurt Schmalz im Unternehmen mit. Hier entwickelt er seine Begeisterung für innovatives Denken. Er kommt schnell zur Erkenntnis, dass ein neues Produktprogramm notwendig ist. Auf einer Messe fragt ein großer Schreinerbetrieb nach einer Haltevorrichtung für die Bearbeitung von Türen. Diese Anforderung bringt Dr. Kurt Schmalz schließlich zum Einsatz der Vakuum-Technologie. Er entwickelt einen druckluftbetriebenen Vakuum-Erzeuger und einen Vakuum-Arbeitstisch. Der Bediener betätigt ein Fußpedal und startet damit den Vakuum-Erzeuger. Sobald ein Werkstück aufgelegt ist, wird dieses festgesaugt und kann geschwenkt oder gewendet werden.
Bald darauf folgen die ersten Vakuum-Hebegeräte und Vakuum-Schlauchheber. Das Hebegerät wird an einem Kettenzug befestigt und kann schwere Lasten schonend handhaben. Der Schlauchheber realisiert den Halte- und Hebevorgang erstmals ausschließlich mit dem Medium Vakuum. Schon damals ist der Schlauchheber Jumbo leicht zu bedienen, kann Werkstücke bequem anheben und schnell versetzen. 1991. bei der internationalen Handwerksmesse in München, erhält Schmalz für den Vakuum-Schlauchheber Jumbo den „Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk“.
Neben dem Arbeitstisch, Schlauchheber und Hebegerät erblicken 1984 die Vakuum-Komponenten als weitere Produktgruppe das Licht der Welt. Um den Preis- und Qualitätsansprüchen der Kunden gerecht zu werden, entschließt sich das Unternehmen selbst Vakuum-Komponenten zu produzieren. Das Produktprogramm besteht aus Vakuum-Sauggreifern und Vakuum-Erzeugern. Schnell kommen Bauteile zur Systemüberwachung, Befestigungselemente, Ventile sowie Filter und Verbindungsteile hinzu.
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